Evangelische Klosterkirchengemeinden

 
Doberlug, LindenaLugau, Eichholz, FischwasserRückersdorf, OppelhainFriedersdorf, Gruhno
 

Geschichte

Die ehemalige Klosterkirche in Doberlug gilt als älteste Kirche des Zisterzienserordens zwischen Elbe und Oder. Sie überrascht mit einer weitgehend am Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen, neobarocken Ausstattung, die einen Kontrast zur schlichten romanischen Backsteinarchitektur bildet.

 

Die Geschichte des Klosters Doberlug

Das Gotteshaus ist neben dem ehemaligen Refektorium (Speisesaal der Mönche) das einzig erhaltene Gebäude der Abtei, die im Jahr 1165 vom wettinischen Markgrafen Dietrich von Landsberg (1118–1185) gestiftet wurde. Mönche aus dem thüringischen Volkenroda nahmen die Besiedlung des Landes vor und errichteten ab 1184 das Kloster. Spätestens im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts war die Kirche vollendet. Sie folgt in ihrem Grundriss einer oft als „Idealplan“ bezeichneten Konzeption: auf das dreischiffige Langhaus folgt ein Querhaus, an welches sich der Chor mit seiner halbrunden Apsis anschließt. Ein Joch (= Gewölbefeld) des Mittelschiffs entspricht dabei zwei Jochen in den Seitenschiffen – ein Schema, dass als „gebundenes System“ bezeichnet wird und den Grundrissen von Zisterzienserkirchen oft zugrunde lag. Die ursprünglich östlich an die Querhäuser angebauten Nebenkapellen sowie die Vorhalle im Westen sind heute zwar nicht mehr erhalten, können aber am Außenbau noch gut abgelesen werden. In schlichten Formen präsentiert sich der romanische Bau, der um frühe gotische Elemente wie die Strebepfeiler am Langhaus oder die Rippengewölbe im Inneren ergänzt wird. Er besticht durch eine ausgewogene Proportionierung der einzelnen Bauteile. Südlich an das Langhaus schloss sich die Klausur mit den für das Klosterleben notwendigen Gebäuden an, deren Grundmauern in den vergangenen Jahren teilweise ergraben werden konnten.

Bis zum 15. Jahrhundert erlebte die Abtei ihre Blüte: Die Mönche erwarben umfangreichen Grundbesitz, kultivierten das Land, gründeten Dörfer, in denen sie Kirchen errichten, um die Bewohner zu christianisieren. Die heute noch zum Pfarrsprengel gehörenden Gotteshäuser in Lindena und Lugau legen hiervon Zeugnis ab. Wie zahlreiche andere Klöster, so ging auch das Doberluger während der Reformationszeit ein; der Konvent wurde 1541 aufgehoben. In der Folge standen die Gebäude für über einhundert Jahre leer und befanden sich nach den plündernden Übergriffen durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg vermutlich in ruinösem Zustand.

 

Die Umwandlung der Klosterkirche in eine protestantische Schlosskirche

Als Mitte des 17. Jahrhunderts Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg (1615–1691) die Niederlausitz und damit auch die Herrschaft Doberlug von seinem Vater, Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585–1656), erbte, erhielt das Klosterareal eine neue Aufwertung: Der Landesherr erhob das südöstlich der Kirche stehende Jagdschloss seines Vaters zur Nebenresidenz und förderte durch steuerliche Vorteile die Ansiedlung von Bauern, so dass 1664 die Stadt Dobrilugk gegründet werden konnte (seit 1937 Doberlug, 1950 Zusammenlegung mit Kirchhain). Das Schloss wurde zu seiner heutigen Form erweitert und das Gotteshaus als protestantische Schloss- und Pfarrkirche wieder in Gebrauch genommen. Sie erhielt eine neue Ausstattung, von der heute jedoch nur noch die Fürstenloge im Südquerhaus vorhanden ist.

 

Die Niederlausitz wird preußisch

Nach dem Übergang der Niederlausitz an Preußen 1815 dienten die noch verbliebenen Reste der Abtei verschiedenen Behörden. Mitte des 19. Jahrhunderts beschädigte ein Brand die West- und Ostteile der Klausur, die daraufhin abgerissen wurden. Lediglich das zum Stall umgenutzte ehemalige Refektorium und die Kirche blieben unbeschadet. Vermutlich zu diesem Zeitpunkt gelangten zwei reich verzierte Kelchblockkapitelle des 13. Jahrhunderts aus dem ehemaligen Refektorium in die Pfarrkirchen der nahe gelegenen Dörfer Gruhno und Schilda, wo sie zu Taufsteinen umgearbeitet wurden. Sie sind wertvolle Zeugnisse für die Qualität der am mittelalterlichen Klosterkomplex verwendeten Bauteile. Das Gotteshaus wurde im Zuge einer purifizierenden Instandsetzung bis 1856 seiner barocken Ausstattung beraubt und erhielt schlichte, neoromanische Möbel sowie eine helle Tünche der Wände.

 

Die Restaurierung von 1905 bis 1909

Eine weitere, heute das Innere der Klosterkirche prägende Neuausstattung wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts vorgenommen. Hierfür verantwortlich zeichnete der Architekt Carl Weber (1870–1915), ein Bruder des berühmten Soziologen Max Weber. Bis 1909 schuf er mit Kanzel, Taufbecken, Kreuzaltar, Orgel und -empore, Chorgitter und Triumphkreuz eine Ausstattung, die in ihrer einzigartigen Qualität besticht. Den Arbeiten lag die Idee zugrunde, dem Kircheninneren ein Erscheinungsbild zu geben, welches es nach den Umgestaltungen durch Herzog Christian I. gehabt haben könnte. Verschiedene barocke Werke, wie die Orgel der Martinikirche in Braunschweig, bildeten dafür Vorbilder, die Weber in ihren Details aufgriff und mit frei erfundenen eigenen Formen zu neuen Werken kombinierte. Ergänzt wurde das Interieur auch um spätmittelalterliche Ausstattungsstücke, die der Architekt aus der nahegelegenen Peter-und-Paul-Kirche in Senftenberg ankaufte, wo sie nach einer Neueinrichtung des Gotteshauses auf dem Dachboden abgestellt worden waren. Zu ihnen gehörten der Hauptaltar, die Mondsichelmadonna im Südquerhaus und der Passionsaltar in der Sakristei. Angekaufte und neu geschaffene Werke bilden zusammen mit der Ausmalung des Inneren ein harmonisches Ensemble, das in seiner Geschlossenheit und seinem sehr guten Erhaltungszustand seinesgleichen sucht. Die auf den Erfindungsreichtum des Architekten Carl Weber zurückzuführenden Möbel legen zudem ein Zeugnis von der hervorragenden Qualität des oft verkannten Historismus ab.

 

Text: Stefanie Fink

 

Literatur:

Badstübner, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000;

Fink, Stefanie: Scheinaltertum oder Kunstwerk? Carl Webers Ausstattung der Klosterkirche in Doberlug (1905–1909) im Spiegel der Denkmalpflegedebatten um 1900 (Magisterarbeit). Berlin 2013;

Kitschke, Andreas: Doberlug – Klosterkirche St. Marien. Passau 2009;

Lehmann, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917

 

 

Zeittafel (kurzer geschichtlicher Abriss):

 

Zisterzienserklosterkirche Doberlug

 

 

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