Die Kantoreigesellschaft der Klosterkirche Doberlug

 

Leges-Kantoreigesellschaft-1696   

Man schreibt das Jahr 1696.  

 

Alles begann mit der Kirchenmusik, die nachweislich seit Mitte des 17. Jahrhunderts in der Schloss-und Gemeindekirche zu Dobrilugk durch einen „Singechor“ gepflegt wurde. Offenbar verfügten anfangs die Lehrer und Schüler der hiesigen Schule über ein erstaunliches Repertoire  an geistlichen Liedern, die die Gottesdienste bereicherten.

    
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gab es jedoch Schwierigkeiten, diesen hohen Standard zu erhalten und  so bemühten sich wohl besonders der Zolleinnehmer Sieber und der Schlossprediger Schaper um die Gründung einer Gesellschaft zur Pflege der Kirchenmusik. 

 

Dieses war allerdings keine lose zusammengesetzte Gruppe von interessierten Bürgern unseres Städtchens. Wie auch damals schon durchaus üblich, gaben sich die 24 Gründungsmitglieder in den „Leges und Statuta der Löblichen  Cantorey - Gesellschaft zu Dobrilugk“ in 25 Abschnitten klare Regelungen über die Aufnahme von Mitgliedern, die musikalische Arbeit, die Aufgaben bei besonderen Anlässen, die Zusammenkünfte, die Leitung der Gesellschaft und des Verhaltens ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit. Das Credo sowohl des bestehenden  Chores und der neu gegründeten Gesellschaft steht ganz am Ende, könnte aber über allem stehen: SOLI DEO GLORIA - Gott allein die Ehre.     Leges-Kantoreigesellschaft_1696 

 

In beiden „Fraktionen“ - der singenden und der „passiven“ Kantorei - gibt es seitdem und nach wie vor feste Regeln, die Grund- und die Bestimmungsgesetze, die auf die ursprünglichen „Leges und Statuta“ zurückgeführt werden und in Teilen unverändert blieben. Das hat ganz gewiss in nicht unerheblicher Weise dazu beigetragen, die Gesellschaft zu erhalten, Sicherheit zu geben und Traditionen zu bewahren.

 

Seit der Gründung 1696 ist die Kantorei durchgängig arbeitsfähig geblieben und hat selbst die Kriegs- und Nachkriegsjahre oder auch die nicht unbedingt kirchenfreundliche DDR-Zeit überlebt.

Immer wieder fanden sich Männer und seit 1948 auch wenige Frauen, die mit Engagement und Ideenreichtum die Gesellschaft aufrechterhalten, belebt, gefördert oder mit Herzblut geleitet haben.

So bleibt zu wünschen, dass viele Menschen, die sich der Tradition  verpflichtet fühlen erkennen, was für ein Schatz da in unserer Gemeinde schlummert.

 

Nachlesen kann man über die Geschichte und die Gegenwart in einer Broschüre, die sowohl in der Kirche als auch in der Buchhandlung Anders  zu erhalten ist.

 

Hören kann man die Kantorei bei jedem Konzert der Sänger in Gottesdiensten oder in den vielfältigen Klostermusiken übers Jahr.

 

Und spüren kann man den Geist der Kantoreigesellschaft, die im Hintergrund - gar nicht passiv - immer vor Ort ist als Unterstützer und Förderer und auch als Organisator diverser Veranstaltungen außerhalb der musikalischen Arbeit des Chores wirkt.

 

Für die Gesellschaft: Wolfgang Kalz 

(amt. Vorsteher)